Ein militärisches Symbol des Kalten Krieges, ein Politikum von globaler Tragweite und ein Stück Technikgeschichte mitten in Deutschland
Mehr zum Buch erfahren Themen entdecken10. April 1945: Alliierter Bombenangriff auf Mittelbau-Dora; SS beginnt mit Todesmärschen der Häftlinge.
11. April 1945: US-Truppen befreien das KZ Mittelbau-Dora.
Mai 1945: US-Spezialeinheiten transportieren erbeutete V1- und V2-Raketen von Nordhausen nach Antwerpen und weiter in die USA.
12. September 1945: Wernher von Braun und sieben Kollegen werden nach Fort Bliss (Texas) gebracht.
20. Januar 1949: Erstflug des Matador-Flugkörpers auf der White Sands Missile Range in New Mexico.
20. August 1949: Erste sowjetische Atombombenexplosion.
4. April 1949: Gründung der NATO.
10. Oktober 1949: Die Standing Group legt ein erstes Ergebnis ihrer Überlegungen unter dem Titel »Das strategische Konzept zur Verteidigung des nordatlantischen Raumes« vor.
19. Oktober 1949: Das Dokument MC 3 wird mit Anmerkungen der Stabschefs der Mitgliederstaaten an den Militärausschuss weitergeleitet.
29. November 1949: Das Dokument DC 6 wird dem Verteidigungsausschuss vorgelegt.
1. Dezember 1949: Der Verteidigungsausschuss verabschiedet das erste grundlegende Strategiedokument der NATO unter dem Titel DC 6/1.
1950: Arthur Rudolph wird ins Redstone Arsenal (Alabama) versetzt.
4. April 1950: Der Nationale Sicherheitsrat legt Präsident Truman das Memorandum NSC 68 vor.
25. Juni 1950: Ausbruch des Korea-Krieges.
20. Februar 1952: NATO-Ratstagung in Lissabon beschließt ehrgeizige Aufrüstungspläne.
20. Januar 1953: Dwight D. Eisenhower wird als 34. US-Präsident vereidigt. Beginn einer sicherheitspolitischen Neuausrichtung in den USA.
20. August 1953: Erster Testflug einer Redstone-Rakete.
30. Oktober 1953: Eisenhower billigt die militärstrategische Neuausrichtung.
Ende 1953: Die erste einsatzbereite US-Matador-Staffel wird in Bitburg stationiert.
1954: Revision der operativen Planungen des Alliierten Oberkommandos Europa (SHAPE); Modifikation des NATO-Konzepts MC 14/1 mit stärkerer Betonung der Nuklearwaffen.
12. Januar 1954: US-Außenminister John Foster Dulles hält programmatische Rede zur neuen Militärstrategie.
1955: Chrysler erhält den Auftrag zur Serienproduktion der Redstone-Rakete.
14. April 1955: Wernher von Braun erhält die US-Staatsbürgerschaft.
23.-28. Juni 1955: NATO-Übung »Carte Blanche« simuliert 335 Atombombenabwürfe in Westeuropa, mit katastrophalen Folgen.
1. Februar 1956: Gründung der Army Ballistic Missile Agency (ABMA) im Redstone Arsenal in Huntsville, Alabama.
1956: Arthur Rudolph wird Projektmanager der Pershing-Rakete (MGM-31).
Oktober 1956: Der Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Armee (DA) forderte das Ordnance Corps auf, eine Machbarkeitsstudie für eine ballistische Rakete mit einer erforderlichen Reichweite von 500 Seemeilen und einer Mindestreichweite von 750 Seemeilen durchzuführen.
14. November 1956: Das Ordnance Corps leitete die Anfrage für eine Studie über ballistische Mittelstreckenraketen (MRBM) an die Army Ballistic Missile Agency (ABMA) weiter und schuf damit die Grundvoraussetzung für das System, das die Bezeichnung Pershing-I-Rakete erhielt.
20. November 1956: Lauris Norstad wird zum Supreme Allied Commander Europe (SACEUR) der NATO ernannt.
31. Oktober 1956: Der United States Army Ordnance Corps fordert eine Machbarkeitsstudie für eine ballistische Rakete mit 750 Seemeilen Reichweite.
26. November 1956: Verteidigungsminister Charles E. Wilson veröffentlicht das Wilson-Memorandum, das der US-Armee die Zuständigkeit für Raketen mit über 200 Meilen Reichweite entzieht.
13. Dezember 1956: Politische Direktive als Grundlage für spätere Planungen (MC 70).
21. bis 27. März 1957: NATO-Übung »Lion Noir« wiederholt das Szenario von »Carte Blanche«.
12. April 1957: Veröffentlichung des Göttinger Manifests, in dem 18 Atomwissenschaftler vor den Gefahren von Atomwaffen warnen.
23. Mai 1957: Die NATO verabschiedet die Dokumente MC 14/2 und MC 48/2, welche die Strategie der »Massiven Vergeltung« festlegen.
Juni 1957: Der erste Verband mit Redstone-Raketen wird aufgestellt (40th Field Artillery Missile Group).
4. Oktober 1957: Der Start des sowjetischen Satelliten Sputnik löst den Sputnik-Schock aus und beschleunigt die US-Raketenprogramme.
6. Dezember 1957: Fehlstart der Vanguard TV-3. Die Navy-Rakete explodiert zwei Sekunden nach dem Start in Cape Canaveral.
12. Dezember 1957: Erster NATO-Gipfel auf Ebene der Regierungschefs in Paris, Reaktion auf Sputnik und Diskussion über Mittelstreckenraketen.
Januar 1958: Das Wilson-Memorandum wird zurückgezogen. Die Vereinigten Stabschefs empfehlen die Entwicklung einer Feststoffrakete als Redstone-Nachfolger.
9. Januar 1958: Erste Thor-Einheit in Großbritannien ist einsatzbereit.
1. Februar 1958: Start von Amerikas erstem Satelliten, Explorer 1, mit einer auf Redstone basierenden Jupiter-C-Rakete.
16. Januar 1958: Das Department of Defense (DOD) gibt offiziell den Namen Pershing für die neue Rakete bekannt, zu Ehren von General John J. Pershing.
19. Februar 1958: Der Heeresminister überträgt die Verantwortung für das Pershing-Programm dem Army Ballistic Missiles Committee. Die ABMA beginnt mit der Ausschreibung an sieben Rüstungsfirmen.
18. Februar 1958: NATO verabschiedet das Dokument MC 70 (Minimum Force Requirements 1958--1963).
10. März 1958: Bundesweiter Aufruf »Kampf dem Atomtod« wird veröffentlicht.
25. März 1958: Der Bundestag beschließt die atomare Bewaffnung der Bundeswehr.
28. März 1958:Die Martin Company aus Orlando, Florida, erhält einen CPFF-Auftrag (Cost-Plus-Fixed-Fee) für Forschung, Entwicklung und Erstproduktion des Pershing-Systems unter technischer Aufsicht und Konzeptkontrolle der Regierung.
März 1958: Reorganisation des Raketenbereichs der US-Army: ABMA, Redstone Arsenal, Jet Propulsion Laboratory (JPL), White Sands Proving Ground und Army Rocket and Guided Missile Agency (ARGMA) werden unter dem U.S. Army Ordnance Missile Command (AOMC) zusammengefasst.
15.-17. April 1958: Tagung der Verteidigungsminister der NATO-Mitgliedstaaten in Paris; Diskussion über die Umsetzung von MC 70 und die Belastungen für die Bundesrepublik.
17. April 1958: Größte Demonstration der »Kampf dem Atomtod«-Bewegung in Hamburg mit 150 000 Teilnehmern.
18. Mai 1958: Bundeskanzler Konrad Adenauer erwähnt in einer Rede die geplante Beschaffung von 6 Abschussgestellen und 24 Matador-Flugkörpern für die Bundeswehr.
4. Juni 1958: Die Atomic Energy Commission (AEC) beschließt die Entwicklung des Atomsprengkopfes W50 für die Pershing-Rakete.
7. August 1958: In einer Haushaltsübersicht wird die konkrete Beschaffung von 24 Matador-Flugkörpern und 6 Abschussgestellen festgehalten.
19. September 1958: Das Ordnance Technical Committee genehmigte offiziell die militärischen Merkmale des Pershing-Raketensystems.
1. Februar 1959: Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß befiehlt die Aufstellung der Flugkörpergruppe 11 auf dem Flugplatz Kaufbeuren.
Mai 1959: Stationierung der sowjetischen R-5-Rakete in der DDR.
25. Mai 1959: de Gaulle verbietet Stationierung und Lagerung US-Atomwaffen in Frankreich.
31. Januar 1960: Generalmajor John B. Medaris scheidet aus der Armee aus.
13. Februar 1960: Frankreich zündet seine erste Atombombe in Reggane (Sahara).
25. Februar 1960: Erster Teststart einer verkürzten Pershing-I-Version in Cape Canaveral.
Juni 1960: Luftwaffeninspekteur Kammhuber reist in die USA. Das Projekt Matador/Mace für die Bundeswehr wird vorzeitig beendet, offiziell mit der Begründung, die Systeme seien veraltet.
1. Juli 1960: Ausgliederung aller zivilen Weltraumaktivitäten des AOMC und Integration in die NASA, wodurch das George C. Marshall Space Flight Center (MSFC) entstand.
28. September 1960: Erster Test mit beiden Raketenstufen.
November 1960: Die Artillerie- und Raketenschule der US-Armee in Fort Sill, Oklahoma, soll ein Ausbildungsprogramme der Armee für das Pershing-I-System entwickeln.
28. März 1961: US-Präsident Kennedy nennt in einer Kongressbotschaft Hauptziele der neuen Militärstrategie.
20. April 1961: Das National Security Action Memorandum (NSAM) 40 legt die Politik der USA gegenüber der NATO fest.
Mai 1961: Die endgültige Entscheidung fällt: Die Bundeswehr beschafft statt der Matador die Pershing I-Rakete.
17. Mai 1961: Kennedy hält Rede vor dem kanadischen Parlament in Ottawa zur Flexible Response.
10. Juni 1961: Jupiter-Raketen in Italien (Basis Gioia del Colle) sind einsatzbereit; Stationierung von Jupiter-Raketen in der Türkei (Basis Çigli bei Izmir) beginnt.
25. Juli 1961: In einer Rundfunk- und Fernsehansprache erläutert Kennedy die Details seines umfangreichen Militär- und Rüstungsprogramms.
Oktober 1961: Aus der Fusion der Martin Company mit der American Marietta Company entsteht die Martin Marietta Corporation.
Dezember 1961: Der Militärausschuss verabschiedet das Dokument MC 26/4 als allgemeine Zieldefinition und übermittelt es an die Mitgliedsländer und NATO-Behörden.
Januar 1962: Erfolgreicher Test einer Pershing I über die volle Reichweite von 400 Meilen (640 km).
1962: Umfangreiche Feldtests in White Sands, Blanding und Fort Wingate (insgesamt 205 Testabschüsse, davon 14 Fehlschläge).
1962: Umwandlung des AOMC in das U.S. Army Missile Command (MICOM).
Januar 1962: Der Nordatlantikrat nimmt die Anforderungen aus MC 26/4 zur Kenntnis.
15. März 1962: Erster taktischer Start einer Pershing I von einer mobilen Rampe.
April 1962: Jupiter-Raketen in der Türkei erreichen volle Einsatzbereitschaft.
Mai 1962: Auf der NATO-Ratstagung in Athen wird ein Kompromiss erzielt: Die Europäer versprechen konventionelle Aufrüstung, die USA kommen Forderungen nach nuklearer Mitbestimmung etwas entgegen. Eine grundsätzliche Einigung auf eine neue Gesamtstrategie wird jedoch nicht erreicht.
Juni 1962: Die erste Batterie des 2nd Bn 44th FA wurde als erste taktische Pershing-Raketeneinheit der US-Army aktiviert.
16. Juni 1962: US-Verteidigungsminister McNamara stellt in seiner Rede in Ann Arbor die Flexible Response-Strategie vor.
Herbst 1962: Die US-Regierung entwickelt den Plan für eine gemeinsame Nuklearstreitmacht (MLF) der NATO, um das Dilemma der nuklearen Kontrolle zu lösen.
17. Oktober 1962: SACEUR Lauris Norstad gibt den NATO-Botschaftern ein Briefing zur Zielplanung und zur Notwendigkeit landgestützter Mittelstreckenraketen (MRBM).
18. Oktober 1962: Der deutsche Botschafter Gebhardt von Walther berichtet an Verteidigungsminister Strauß über das Norstad-Briefing.
31. Oktober 1962: Martin Marietta lieferte die ersten Komponenten für das Waffensystem Pershing I.
Dezember 1962: Auf dem britisch-amerikanischen Gipfel in Nassau wird der MLF-Plan erstmals öffentlich diskutiert.
Februar 1963: Abzug der Thor-Raketen aus Großbritannien im Zuge der Abrüstungsvereinbarungen nach der Kubakrise.
März 1963: Das US-Bataillon 4th Bn 41st FA wird der 7th US Army in Deutschland unterstellt und in der Hardt-Kaserne in Schwäbisch Gmünd stationiert.
April 1963: Die 56th Artillery Group wird als übergeordnetes US-Kommando für alle Pershing-Verbände in Deutschland in der Hardt-Kaserne in Schwäbisch Gmünd aktiviert.
September 1963: Deutschland nimmt offiziell ein MAP-Angebot (Military Assistance Program) für ein gemeinsamen Wartungs- und Unterstützungsprogramm für Pershing-Rakete an.
September 1963: Einführung der Vorwärtsverteidigung in das NATO-Verteidigungskonzept.
1. September 1963: Das Bundesministerium der Verteidigung befiehlt mit Luftwaffenaufstellungsbefehl Nr. 253 die Aufstellung des Flugkörpergeschwaders 1
Herbst 1963: Das US-Bataillon 1st Bn 81st FA verlegt nach Deutschland und wird in den McCully Barracks in Mainz-Wackernheim stationiert.
Januar 1964: Der US-Verteidigungsminister ordnete für das Pershing-Waffensystem eine QRA-(Quick Reaction Alert)-Rolle an, nachdem eine Studie gezeigt hatte, dass die Pershing taktischen Flugzeugen in der QRA-Mission überlegen ist.
1. Januar 1964: Die Flugkörpergruppe 11 wird dem Flugkörpergeschwader 1 unterstellt.
März 1964: Das FKG 1 beginnt seine Truppenausbildung in Fort Sill.
21. April 1964: Erster Abschuss einer Pershing I-Rakete durch eine Einheit der Bundeswehr in den USA (Hueco Launch Site in Texas).
Mai 1965: Das US-Bataillon 3rd Bn 84th FA trifft in der Artillerie-Kaserne in Neckarsulm ein.
1. August 1964: Eintreffen der ersten Waffensysteme Pershing in Landsberg am Lech.
Oktober 1964: Die Vereinigten Stabschefs (JCS) weisen den Oberbefehlshaber der US-Army in Europa (USAREUR) an, Demonstrations- und Erprobungsoperationen sowie Folgetests durchzuführen, um die Zuverlässigkeit der Pershing I zu ermitteln.
19. November 1964: Fehlschuss des 3rd Bn 84th FA – Rakete fliegt 400 Meilen statt 100 und landet bei Creede, Colorado.
4. Dezember 1964: Der US-Verteidigungsminister forderte die Armee auf, die erforderlichen Änderungen zu definieren, um den Pershing für die QRA-Rolle zu optimieren. Diese Anweisung initiierte das Pershing la-Programm.
23. Dezember 1964: Das Flugkörpergeschwader 2 wird gemäß Luftwaffenaufstellungsbefehl Nr. 267 zum 1. Januar 1965 in Lechfeld aufgestellt.
März–April 1965: Joint Environmental Test (JET) der US-Army in Europa zur Simulation von QRA-Bedingungen.
22. April 1965: Ein streng geheimes Memorandum für das Military Committee (MC) der NATO beschreibt die Notwendigkeit von ballistischen Raketen und V/STOL-Flugzeugen für das Ende der 1960er Jahre.
24. Mai 1965: Der US-Verteidigungsminister genehmigte das Pershing la-Entwicklungsprogramm.
1. August 1965: Beginn einer ersten Einsatzübung des FKG 1 mit allen unterstellten Truppenteilen.
15. September 1965: Das Flugkörpergeschwader 2 der Bundeswehr verlegt nach Nörvenich (als Zwischenlösung).
1. Oktober 1965: Abschluss der Auflösung der Flugkörpergruppe 11 und Aufstellung der Flugkörpergruppe 13 in Kaufbeuren.
26. November 1965: Das Pershing-Testprogramm von APL (Advanced Physics Lab) der Johns Hopkins University wird von der US-Army angenommen.
1. Dezember 1965: Die Pershing wird offiziell Teil der QRA-Streitmacht der NATO, zunächst mit zwei Abschussrampen pro Bataillon in Friedenszeiten.